Tradition Hotel Kultahovi

Geschichte

Willkommen in Inari, dem Herzen der Kultur der Samen in Finnland! Unser traditionell multikulturelles Dorf ist seit dem 19. Jahrhundert ein Ziel für Reisende. Unser Hotel bietet ebenfalls eine Kombination aus Traditionen: die lokale samische Kultur, einen seit langem gepflegten Tourismus, den lappländischen Lifestyle, die wunderschöne natürliche Umgebung, in der Nähe der Lemmenjoki mit seiner Goldgräber¬geschichte und dem Baustil der Wiederaufbaujahre. Wir haben alle diese Elemente zusammengetragen, damit Sie das nördliche Leben erfühlen, begreifen und daran teilhaben können.

Wir sind echte Eingeborene von Inari und gehören väterlicherseits zur weit verbreiteten Morottaja-Familie der Inarisamen. Ein Zweig unserer Familie hatte sich bereits an der Mündung des Juutua-Flusses niedergelassen bevor das moderne Dorf gegründet wurde. Unsere Vorfahren haben traditionell rote Forellen aus dem Fluss gefischt.

1937-1944

Kultahovis is das zweitälteste Hotel von Lappland. Das ursprüngliche, aus Baum¬stämmen erstellte Hotel wurde im Jahre 1937 an der gleichen Stelle von der Finnischen Tou¬ri¬stenvereinigung erbaut, ein Jahr nach dem Hotel Pohjanhovi in Rovaniemi. Die Lage war ausgezeichnet, nur einen Steinwurf entfernt vom besten Forellenfluss des Landes. Ausländische Fliegenfischer hatten damals schon den Paatsjoki und die Teno Lachsflüsse entdeckt, nun war der Juutua an der Reihe, der die Fischer lockte, um die berühmten grossen Inari-Forellen zu ködern. Normalerweise blieben diese Fischer für ein paar Wochen. Die Men¬schen vor Ort erlernten die Fertigkeiten der Sportfischerei von den Touristen während ihrer Arbeit als Führer und Ruderer.

Das ursprüngliche Hotel hatte 13 Zimmer, eingerichtet im Stil der heimischen Romantik und im funktionalen Design entworfen. An der Vorderseite am Fluss befand sich eine Sauna und an der Rückseite ein Gebäude, das „Lappenhütte“ genannt wurde. Es bot freie Unterkunft für Besucher aus den nahen Dörfern der Samen. Es gab auch eine separate Garage für die Autos der Dreissiger Jahre mit ihrer kurvigen Form.

Die Besucher von Inari kamen im Sommer einfach über die umliegenden Ge-wässer oder auf einem von Pferden gezogen Wagen. Dem Hotel gehörten sechs bis sieben Rentierschlitten, die für den Transport im Winter verwendet wurden. Die Schlitten brachten die Gäste im Norden bis Kaamanen oder Ukon¬järvi im Süden, von wo aus sie mit einem anderen Schlitten weiterfahren konn¬ten. Das Hotel hatte auch einen Rentierzüchter eingestellt, der Rentiertouren in der Umgebung des Hotels organisierte. Es gab in diesen Tagen eine grosse Nachfrage nach Rundfahrten mit Rentieren, aber es war schon damals schwie¬rig den Tag und die Uhrzeit dieser Rundfahrten zu erfahren, genauso wie heute.

Vierziger Jahre

Das Hotel war in dieser Zeit ziemlich autark. Es besass einen Kuhstall mit sechs Milchkühen, es mästete Schweine und baute Kartoffeln an. Im Dorf gab es eine Familie mit einem Hühnerstall, von der das Hotel die benötigten Eier kaufen konnte. Es existierte auch ein Lebensmittelgeschäft, wo die üblichen Lebensmittel erworben wurden. Die lokale Bevölkerung besorgte sich die benötigten Waren gewöhnlich aus Norwegen, aber das Hotel bekam keine Einfuhrgenehmigung, die für grössere Einkäufe erforderlich war. In der Som-mer¬saison wurden die Gäste vor allem mit frischem Fisch versorgt, weil das Hotel nicht über Kühlräume verfügte, in denen Fleisch gelagert werden konnte. Luftgetrocknetes Rentierfleisch war das einzige Fleisch, das im Sommer ser¬viert wurde. In der Aussenanlage des Hotels befand sich ein traditioneller Moorkeller, wo die Lebensmittel mit Hilfe von grossen Eisblöcken kühl gelagert wurden, die man mit riesigen Eissägen hergestellt hatte. In der Wintersaison wurden verschiedene Rentiergerichte zusammen mit Fischgerichten serviert. Das Hotel hatte eine volle Alkohol-Lizenz.

Unser Vater Reino wurde am südlichen Ufer des Inari-Sees in der Nähe des Dorfes geboren und ist dort aufgewachsen. Seine Familie besass eine Netz-fischerei in der Nähe des Dorfes. Reino kann sich noch gut an eine Verkaufs-fahrt mit seiner Mutter zum Hotel erinnern, als er noch ein kleiner Junge war:

„Ich und meine Mutter ruderten vom Fangplatz zur Mündung des Flusses und den Fluss hinauf, wir hatten einen sehr guten Fang gemacht. Wir erreichten das Ufer des Hotels und trugen die Fische durch den Eingang in die Küche. Während meine Mutter ins Büro ging, um die Bezahlung entgegen zu nehmen, blieb ich in der Küche bei den Köchen und Küchenmädchen. Die Mädchen gaben mir ein Glas frisch gemolkene noch warme Milch und ein süsses Brötchen frisch aus dem Ofen. Dieser köstliche Moment blieb so gut in meiner Erinnerung haften, dass ich es jetzt in meinen 70er-Jahren noch so weiss als sei es erst gestern gewesen.“

Während des Zweiten Weltkrieges litt auch das Hotel unter der Verknappung des Angebots. An die wichtigsten Büros in Helsinki wurden Briefe gesandt und die Hotelleitung bat darum, man möge Baumwolle und Nadeln für das Zusammennähen der Bettwäsche, Salzheringe und Pflanzkartoffeln schicken. Leinen, Tischdecken, Servietten und Handtücher wurden weitgehend durch Papier ersetzt und anstelle von Zucker wurde ein verdünnter Süssstoff aus einer Tropfflasche verwendet. Im September 1944, nach dem die Dorf¬bevöl-kerung evakuiert worden war, wurden die restlichen vier Kühe des Hotels und 3,5 Tonnen Kartoffeln an die deutsche Wehrmacht verkauft. Während der Evakuie¬rung wurden fast 9000 Mahlzeiten an die Menschen ausgegeben, die ihre Hei¬mat verlassen mussten. Das Hotel wurde am 12. September 1944 geschlos¬sen und seine Gebäude wurden im November niedergebrannt. Die Gebäude mit allen Einrichtungen wurden bis auf die Grundmauern vollständig zerstört. Im Sommer 1945 wurde der noch erhaltene Keller restauriert und an das staat¬li¬che Lebensmittelrationierungsbüro als lokaler Speicher vermietet.

1956-1986

Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Ergebnisse der harten Pionier-arbeit der Finnischen Touristenvereinigung vernichtet, weil das landesweite Netz der Gasthöfe und Hotels von den sich nach Norwegen zurückziehenden deutschen Truppen vollständig zerstört wurde. Der Wiederaufbau begann zwar unmittelbar nach dem Krieg, aber das Touristenhotel von Inari wurde erst 1956 auf dem alten Keller wieder aufgebaut, obwohl es bereits in den Vor-jahren eine grosse Nachfrage gegeben hatte. Das neue Hotel erwies sich als von Anfang an zu klein, so dass bereits im darauf folgenden Sommer eine Erweiterung fertiggestellt wurde. Der Tourismus im Sommer boomte nun, da während des Krieges eine Strasse nach Norwegen gebaut worden war. In den Sechziger und Siebziger Jahren besuchten zahlreiche V.I.P. den Ort, und der legendäre finnische Präsident Urho Kekkonen empfing königliche Besucher in Inari.

Jedes Jahr stellte das Hotel viele „Sommermädchen“ ein, Fachpersonal mit guter Allgemeinbildung und Sprachkenntnissen, um die internationalen Gäste zu bedienen. Ein beliebter Zeitvertreib für die einheimischen jungen Männer war es, an der Bushaltestelle auf den Bus aus dem Süden zu warten, um zu sehen, wie die neuen Mädchen aussahen. Mehr als ein nur ein paar von ihnen traf hier ein gutes Schicksal, sie heirateten und blieben für immer in Inari. Dies war auch der jungen Hotelfachfrau Maija bestimmt, die im Jahr 1966 in Inari angekommen war und einen jungen Mann im Ort heiratete. Sie kam jedoch in einem Ford Taunus, nicht mit dem Eskelinen Bus …

1986-1987

Im Jahr 1986 beschloss der Tourismusverband die Schliessung des Hotels, weil der Eigentümer des Grundstücks, das Bauministerium, die Anlage nicht renovieren wollte. Zum Ende der Herbstsaison am 30. September 1986 war der letzte Abend dieses legendären Hotels. Der Reporter Jorma Korhonen von Finnlands grösster Tageszeitung m Helsingin Sanomat war dort:

„Die Gäste der letzten Nacht genossen die familiäre Gastlichkeit mit allen Sinnen. Sie assen und tranken alle Vorratskammern leer. Sie sangen, joikten, tanzten und waren geschäftig wie Rentiere im Gehege, um Erinnerungen für sich selbst zu schaffen.

Der bärtige Goldgräber, welcher auf der Mauer des Restaurants zu sehen war, zwinkerte mit einem Auge, während eine jüngere Generation eine Party in ihrem Lokal gab. Die verbliebenen restlichen Gold¬sucher-Veteranen hatten ihren Abschied ein paar Tage zuvor gefeiert, ebenso wie die ältere Generation von Einheimischen. Niiles Valle, bekannt als Singing-Niiles, begann eine langsam aufsteigende Joik und verführte das Publikum zum Mitsingen des Liedes „Inari-See“.

Der letzte Walzer, der finnische Hit „Golden Youth“, begann zu spielen. Die Gäste wirbelten unisono in einer Herde, sangen aus vollem Herzen zur Musik und umarmten einander. Als der letzte Akkord verklungen war, wurde zur letzten Bestellung gerufen. Das Leben des Inari Tourist Hotel ging dahin. Die Menge verschwand in der dunklen Nacht. Die Spirituosenschränke waren leer.

Am folgenden Morgen folgte Maija Nikula, die das Hotel in den letzten 20 Jahren gemanagt hatte, mit Tränen in den Augen dem Personal, das die Fahne vom Mast holte.“

Maija trauerte nicht lange wegen der Schliessung des traditionsreichen Hauses. Im folgenden Frühling eröffnete sie das Hotel wieder unter dem Namen `Kultahovi` (Goldhof). Die Anlagen wurden gründlich renoviert und das Hotel erwachte wieder zum Leben.

21. Jahrhundert

Im Jahr 2002 entschieden sich Maija´s Kinder Kaisu und Heikki, die für meh-rere Jahre im Süden Finnlands gelebt hatten, nach Inari zurückzukehren und im Hotel zu arbeiten. Ein Generationswechsel wurde eingeleitet. Die schönen Landschaften und die Natur ihrer Heimat, die starke samische Kultur, das einzigartige Fischen, Jagen und Wandern, machte ihnen die Entscheidung leicht. Maija ging im Jahr 2003 in den wohlverdienten Ruhestand und ver-schiedene Entwicklungsprojekte wurden begonnen. Die alten Anlagen wurden renoviert und das neue Flusshotel wurde im Dezember 2007 eröffnet. Die Entwicklung eines Winterprogramms war in vollem Gang und das Ergebnis ist eine einzigartige Winter-Destination. Die Entwicklung von Inari als Zentrum der finnischen Sami-Kultur brachte interessante Veranstaltungen und Festivals, wie den Weltkongress der Rentierhirtenvölker und die jährliche „Skábmagovat“ Filmfestival mit Gästen aus allen Kontinenten.

Das Fliegenfischen in den niedrigen Stromschnellen des Juutua-Flusses wurde in den Neunziger Jahren wieder aufgenommen. Wir konnten nun zu den hotel-eigenen Wurzeln zurückzukehren und begrüssen eine neue Generation von Fliegenfischern und -fischerinnen. Das Konzept des Traditionshotels Kultahovi wurde im Jahr 2010 geschaffen und dessen weitere Entwicklung ist bereits in Arbeit. Wenn Sie Erinnerungen, Geschichten oder Bilder von unserer bewegten Geschichte haben, würden wir uns sehr dafür interessieren, davon zu hören!